Lebenswertes Hamburg?

Gerd Pohl/Klaus Wicher (Hrsg.)
Lebenswertes Hamburg
Eine attraktive und soziale Stadt
für alle?
208 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-89965-892-7

Karl Marx war fünf mal in Hamburg?

Jürgen Bönig
Karl Marx in Hamburg
Der Produktionsprozess des »Kapital«
184 Seiten | durchgängig farbig | Festeinband | viele bislang unveröffentlichte Fotos und historische Abbildungen | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-751-7

Starke Einführung

Claudia Leonhardt/Felicitas Weck
Linke Kommunalpolitik –
Eine Einführung

Für Einsteiger*innen und Fortgeschrittene
Aktualisierte Neuausgabe |
Crashkurs Kommune 12
104 Seiten | EUR 7.50
ISBN 978-3-89965-799-9

Erinnerung & Mahnung

Hans Matthaei (Hrsg.)
DenkMal Friedhof Ohlsdorf
33 Stätten der Erinnerung und Mahnung | Herausgegeben von der Willi-Bredel-Gesellschaft – Geschichtswerkstatt e.V.
160 Seiten | EUR 12.80
ISBN 978-3-89965-833-0

Das etwas andere Kochbuch

Ulrike Hinrichs und Günther Spiegel (Hrsg.)
Kleine Weltküche
Kochrezepte von Geflüchteten und Freunden
160 Seiten | Großformat | Hardcover | farbig illustriert | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-742-5

Kulturgeschichte im Film

Michael Töteberg
Filmstadt Hamburg
Kino-Geschichten einer Großstadt:
Stars, Studios, Schauplätze
368 Seiten | viele Farbfotos | Hardcover | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-578-0

Immer aktuell:

Supplement der Zeitschrift Sozialismus 1 / 2016
56 Seiten | 2016 | EUR 7.00
ISBN 978-3-89965-868-2

Reiner Basowski/Gerd Pohl (Hrsg.)
Hamburg: Internationale Metropole
Vom kolonialen Erbe zur Globalisierung:
Wirtschaften, Wohnen, Arbeiten, Leben
176 Seiten | EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-708-1

Frank Kuschel
Haushalten mit links?!
Emanzipative Haushalts- und Finanzpolitik in der Kommune
112 Seiten | EUR 7.50
ISBN 978-3-89965-636-7

17. Mai 2012 von Joachim Bischoff / Norbert Weber

HSH Nordbank: Wenn Zockergeschäfte schief gehen…

Bekanntlich machen Banken hin und wieder richtig Miese. So musste z.B. die US-Bank JP Morgan Chse dieser Tag einen eigentlich unbegreiflichen Fehler bei Finanzwetten einräumen, der dem Institut mindestens ca. zwei Mrd. US-Dollar Verlust einbrachte. Weitere Konsequenz: Der Aktienwert von JP Morgan Chase ging an der New Yorker Börse um 9,3% zurück. Der Marktwert der Geld-Instituts sank damit um 15 Mrd. US-Dollar. Aber keine Panik! Die weiteren Gewinnaussichten sind nicht schlecht und der Aktienwert könnte sich folglich wieder erholen. Schon bald wird dieser Rückfall vergessen sein.

Gehen solche Geschäfte richtig schief, dann haben die Aktionäre ein Problem. Die Lösung liegt dann darin, Zeit zu gewinnen und auf eine Erholung der toxischen Wertpapiere zu hoffen. Dies ist auch das Rezept der Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, die als Hauptaktionäre eine gescheiterte Zockerbank  »sanieren« wollen. Die HSH Nordbank erhielt eine kräftige Kapitalaufstockung von drei Mrd. Euro und einen sogenannten Rettungs- oder -garantieschirm. Das Management dieser »Krisenhilfe« wurde einer eigenständigen Unternehmung übertragen. Rund fünf Beschäftigte sorgen unter der Regie nebenamtlicher Geschäftsführer haben den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Bank wieder Land sieht.

Die HSH Finanzfonds AöR ist von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein im Jahr 2009 gegründet worden, um treuhänderisch die Aktienanteile der beiden Länder an der HSH Nordbank zu verwalten, Ländergarantien zugunsten der Bank zu übernehmen (10 Mrd. Euro) sowie ein Referenzportfolio abzusichern, indem die Bank ihre mehr oder minder toxischen Wertpapiere eingelagert hat. Zudem war die Finanzfonds AöR von den Ländern beauftragt worden, die notwendigen Kredite bis zu drei Mrd. Euro aufzunehmen, um zur HSH Rettung gezwungenermaßen Anteile der Bank erwerben zu können.

Jetzt hat die HSH Finanzfonds AöR ihren Geschäftsbericht 2011 veröffentlicht. Darin wird das Geschäftsjahr 2011 wie folgt beschrieben: »Die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage wurden im Jahr 2011 durch die außerplanmäßige Abschreibung des Beteiligungswertes an der HSH Nordbank AG wesentlich beeinflusst. Nach Berücksichtigung der Einmalzahlung in Höhe von 500 Mio. Euro  und der Abschreibung des Beteiligungswertes in Höhe von 939 Mio. Euro ergibt sich ein Fehlbetrag von 218,4 Mio. Euro.«

Es bleibt an dieser Stelle festzustellen: In nur einem Geschäftsjahr musste die HSH Finanzfonds AöR nahezu 30% auf ihren Aktienbestand von über drei Mrd. Euro abschreiben! Die Bank hat immer noch kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden, somit ist mit weiteren Abschreibungen auf den Bestand zu rechnen! Im Unterschied zu JP Morgan werden die Aktien der HSH Nordbank nicht an der Börsen gehandelt, sondern durch Wertgutachten festgestellt.

Logischerweise haben sich die Krisenverwalter bei ihrer Aktion im Jahr 2009 nicht auf einen realistischen Aktienpreis verständigt, sondern ihre Hoffnungen auf baldige Besserungen in den Aktienpreis eingepreist. Diesen kleinen Trick monierte die EU-Kommission: Die Herabsetzung des Aktienpreises von 19,00 Euro auf 13,05 Euro hat den Aktionären der HSH Nordbank dann die Vermögensverluste in der Größenordnung von knapp einer Milliarde beschert. Erstaunlich der weiterhin bestehende heroische Optimismus, der davon ausgeht, dass der Aktienpreis Ende 2011 mit 13,05 Euro jetzt realistisch sei. Vergleicht man diesen Preis mit Aktien vergleichbarer Sanierungsfälle im Bankbereich käme man leicht auf einen deutlich niedrigeren Preis. Die Hoffnung: Die Bank kann ja wieder nach vorne kommen und in den nächsten Jahren Gewinne erwirtschaften, so dass in einem Börsengang die Ursprungswerte für die Bundesländer realisiert werden könnten.

Auf die Gefahren weist die HSH Finanzfonds AöR in ihrem Geschäftsbericht selbst hin: »Für den Fall, dass die Risikovorsorge der HSH Nordbank AG weiterhin steigt, kann die Bildung einer Drohverlustrückstellung im Rahmen einer erneuten Bewertung zum Halb- und Jahresabschluss 2012 der HSH Finanzfonds AöR nicht ausgeschlossen werden.«

Ohnehin hat man bei diesem Geschäftsbericht der AöR erstmals den Eindruck, dass eine gewisse Hilf- und Ratlosigkeit bzgl. der zukünftigen Entwicklung herrscht! So wird an vielen Textstellen im Geschäftsbericht der AöR, deutlich mehr als irgendwie notwendig, auf die Abhängigkeit von der Geschäftsentwicklung der Bank hingewiesen. Das Management der Bank scheint dabei Narrenfreiheit zu genießen. So geht das Geschäftsmodell der HSH Finanzfonds AöR schon allein deshalb nicht auf, weil die Bank, der es nicht einen Deut besser geht als zu Anfang der Vereinbarungen, Eventualverbindlichkeiten kündigen und somit die Ertragssituation der AöR schmälern kann. Das scheint ja irgendwie auch egal zu sein, denn die Bank kann die von der AöR in Vorperioden vereinnahmten und als Gewinnrücklagen geparkte Garantieprovisionen sowieso wieder selbst verfrühstücken, indem sie durch die zwingend notwendigen Abschreibungen auf ihr Eigenkapital Kosten zu Lasten der AöR produziert und die AöR zu Ausbuchungen der gebildeten Gewinnrücklagen zwingt.

Es ist zu befürchten, dass es in diesem Geschäftsjahr für die AöR und somit für die Länder aufgrund der Gewährträgerhaftung noch schlimmer kommen kann:
1.    Die in 2011 vereinnahmte Einmahlzahlung über 500 Mio. Euro muss an die HSH Nordbank wieder zurückfließen. Im Gegenzug erhält man HSH Nordbank Aktien, die sukzessive im Wert fallen werden.
2.    Das Geschäftsmodell der Bank ist bisher nicht mehr als ein Papiertiger. An keiner Stelle ist ersichtlich, dass das vielgepriesene neue Geschäftsmodell greift und sich in Ergebnissen niederschlägt. Dieses würde erneuten und weitergehenden Abschreibungsbedarf auf den Aktien-Altbestand bedeuten.
3.    Die HSH Finanzfonds AöR weist explizit auf Adressrisiken der Bank hin, die aus dem Risikoprofil der HSH Nordbank abzuleiten sind. Im Klartext: Die AöR sieht einen hochexplosiven Altbestand bei der HSH, der quasi als Turbo auf den Wertverlust des Aktienbestandes wirken wird.

Die Grundkonstruktion ist eindeutig: Die wirtschaftliche Situation des Finanzfonds AöR steht und fällt mit der der Geschäftsentwicklung der HSH Nordbank. Lapidar teilt das die Geschäftsführung mit: Sofern es nicht zu Friktionen an den Kapital- und Finanzmärkten komme und weitere Korrekturen bei der Bank ausblieben, könne für die nächsten drei Jahre mit einer planmäßigen Entwicklung gerechnet werden. Im fünften Jahr einer Grossen Wirtschafts- und Finanzkrise Friktionen auszuschließen und mit einer »planmäßigen Entwicklung« zu rechnen, ist schon eine bemerkenswerte Einstellung.

Nachdenklich und Sorgen macht uns auch folgende Aussage im Geschäftsbericht: »Das Beteiligungscontrolling wird direkt durch die Länder wahrgenommen.« Bisher sind wir davon ausgegangen, dass dieses Controlling von der AöR vollzogen wird. Wer soll denn nun die Bank kontrollieren? Und: Gibt es Ergebnisse? Das sind viele offene Fragen.

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