2. Dezember 2019 Peter Stahn: Menetekel für eine krisengetriebene Transformation der Automobilindustrie?

Opel – wie weiter?

Die Automobilindustrie befindet sich in einem so noch nie da gewesenen Umbruch. Die Frage, ob der Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität, die Entwicklung neuer Verkehrskonzepte einschließlich des autonomen Fahrens und der Sharing-Economy und die mit der Digitalisierung verbundenen Rationalisierungsschübe erfolgreich bewältigt werden können, ist zur Überlebensfrage für die gesamte Branche geworden.

Die Automobilhersteller und -zulieferer haben einen Anteil von acht Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland. 820.000 Menschen sind direkt, weitere 1,8 Millionen indirekt in diesem Sektor beschäftigt – Millionen weitere Arbeitsplätze hängen von dessen Akkumulationsleistung ab. Allein durch die Elektrifizierung des Antriebsstranges drohen Arbeitsplatzverluste in einer Größenordnung von rund 150.000 Produktionsarbeitsplätzen (laut der ELAB 2.0- Studie des Fraunhofer IAO 2018). In diesem Szenario (von mehreren) ist bereits der Aufbau neuer Arbeitsplätze im Bereich der elektrischen Komponenten eingerechnet. »Die seit mehr als 100 Jahren perfektionierte Wertschöpfungskette der Automobilherstellung, an der die Zulieferer einen wachsenden Anteil haben, droht zu reißen.« (Tagesspiegel v. 4.10.2019).

Als Konsequenz wird es früher als noch vor zwei Jahren gedacht zu Verschiebungen von Marktanteilen zwischen den verschiedenen Antriebstechnologien kommen. Die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit hat sich bei Herstellern und Zulieferern deutlich erhöht. Die Transformation der Autohersteller zu Mobilitätsunternehmen und damit auch in zentralen Bereichen von Hardware- zu Softwarekonzernen wird die Arbeitsplatzverluste im traditionellen Bereich nicht kompensieren können. Im Gegenteil: Die Hersteller sind aufgrund der gewaltigen Investitionen in Forschung und Entwicklung für Elektromobilität und Digitalisierung zu Kostendämmung und Zusammenarbeit verdammt, sofern sie nicht in den Sog der Konzentrationsprozesse via Fusionen hineingezogen werden.

Zeugnis vom Überlebenskampf in der Automobilbranche (siehe dazu auch Abbildung 1) legt die aktuelle Fusion von Peugeot Citroen (PSA) und Fiat Chrysler (FCA) ab. Mittendrin befindet sich Opel.

Peter Stahn ist aktiv in den Sozialistischen Studiengruppen (SOST) und Redakteur von vorortLINKS.

Der gesamte Beitrag, der in der Printausgabe 12-2019 des Zeitschriftenprojekt Sozialismus.de erschienen ist, kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Quelle: https://www.vorort-links.de/analysen_ansichten/detail/artikel/opel-wie-weiter-1/